Ins Offene!

 

SWR2
„Wissen“
Samstag, 15. 12. 2018
8.30 Uhr
Red.: Lukas Meyer-Blankenburg
Technik: Martin Kropp
Zitate: Katrin Machel
Autor/Regie: Detlef Berentzen

„Ergänzende Lernorte“ sollen sie sein, die Erfahrung von Gemeinschaft, Natur, Umwelt und überhaupt jenes Erleben vermitteln, das im 45-Minuten-Takt des städtischen Schulbetriebs nicht möglich ist: „Schullandheime“. Die Tage, die SchülerInnen rund um die Uhr gemeinsam im Schullandheim verbringen, gelten als „besondere Lernform“, die nicht zuletzt  das oft vernachlässigte „Team Building“ ermöglicht.

Angestiftet vom Furor der Jugendbewegung und der Reformpädagogik zu Anfang des 20. Jahrhunderts wurden Schullandheime (neben den heute, ob der Missbrauchsskandale, höchst umstrittenen „Landschulheimen“) zu Fluchtpunkten, die es möglich machten,  zumindest kurzfristig aus der Enge von Stadt und Institution auszubrechen, um eine „ganzheitliche und gesunde Erziehung“ für alle SchülerInnen zu ermöglichen. Orte der Pädagogik entstanden, die im Rückblick eine wechselvolle Geschichte haben: Pädagogisches Erfolgsmodell in den 1920er-Jahren, danach ideologisch „gleichgeschaltet“ von den Nazis. Nach dem Krieg der Versuch den Weg „Ins Offene“ zu finden. Nicht ohne Schwierigkeiten.

Schullandheime sind derzeit nicht unbedingt in den Schlagzeilen der überregionalen Presse zu finden. Doch weit  mehr als eine Million Kinder buchen jedes Jahr einen Aufenthalt in einem der 240 Schullandheime. Und ist man erst einmal vor Ort, zum Beispiel im Landheim Schönau (BaWü), wird eines schnell klar: Die Kinder goutieren den alten Rousseau und sein „Zurück zur Natur!“:

„Die Menschen sind nicht dazu geschaffen, um wie in einem Ameisenhaufen zusammengepfercht zu leben, sondern sollen die Erde füllen und bebauen. Je enger sie zusammenwohnen, desto mehr verderben sie sich. Körperliche Gebrechen so wie geistige Mängel sind die unfehlbare Folge jedes zu zahlreichen Zusammenlebens. Der Odem des Menschen wirkt tödlich auf seines Gleichen; das ist im eigentlichen Sinne durchaus eben so wahr wie im bildlichen.“

 

 

 

Wer sich in den Hartz begibt, kommt darin um!

Mal wieder Märchen erzählen. Von dem Kind, das am Morgen nicht aufstehen wollte. Der Wecker klingelte, die Regentropfen tanzten Hip und Hop auf der Fensterbank, und die Mutter war längst auf dem Weg zum vierten Hartz, um ein wenig Geld zu scheffeln. Einen Vater gab es nicht. Der war längst in Amerika abgetaucht. Oder sonstwo. Das Kind lag also da und murmelte: Solange der blöde Vater nicht kommt, bleibe ich einfach im Bett. Und stand nie wieder auf. Auch die Mutter kam nicht zurück. Die ging irgendwo im finsteren Hartz verloren. Nicht alle Märchen haben ein glückliches Ende.

 

 

Illustration: Joern Schlund